Sport und Depressionen: Von Sportsucht bis hin zu Leistungsdruck im Kraftsport

Ich habe bereits früher über die Anzeichen einer Sportsucht und dem sogenannten Adonis-Komplex geschrieben. Neben der Sportsucht gibt es aber auch oft psychisch-bedingte „Sporlerkrankheiten“ wie Leistungsdruck bis hin zur Depression. Menschen mit Depressionen standen bislang vor der Wahl, Psychopharmaka oder Psychotherapie oder beides in Anspruch zu nehmen. Das führte häufig zu Problemen: Psychotherapieplätze sind erst nach langer Wartezeit zu erlangen, Psychotherapeut und Klient stellen dann häufig fest, daß sie nicht zueinander passen oder die Behandlung erfolgt nicht zielorientiert, sondern in Form einer „psychotherapy as usual“. Behandlungserfolge sind erst nach vielen Monaten zu erwarten.

Sollten Sportkrankheiten wie Sportsucht und Depressionen mit Medikamenten behandelt werden, sollte immer ein Zweiter Rat eingeholt werden. Psychopharmaka entfalten bekannterweise „zentrale Nebenwirkungen“ wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, Libido- und Potenzverlust, Einschränkungen der Kreativität und der Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr.

Zudem sind sie nur in etwa der Hälfte aller Anwendungsfälle wirksam, neueste wissenschaftliche Veröffentlichungen stellen die Wirksamkeit grundsätzlich in Frage. Es gibt Auswege aus diesem Dilemma.

Wege aus der Depression

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Ein neurobiologisches Verfahren, genannt repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS), versucht die Hirnareale zu vermehrter Aktivität zu stimulieren, die bei Depressionen ein vermindertes elektrisches Potential aufweisen und weniger stimmungsregulierende Hirnbotenstoffe freisetzen. Dazu werden sehr starke Elektromagneten, wie man sie aus der Magnetresonanztomographie kennt, über dem betreffenden Areal an den Kopf angelegt.

Innerhalb von 20 Minuten geben diese etwa 2000 Impulse ab und erzeugen dadurch die gewünschte Stimulation.

Damit die Energie auch dort ankommt, wo sie hin soll, macht man sich computergesteuerte Neuronavigationsgeräte zu Nutzen. Für eien langanhaltenden Effekt der wissenschaftlich sehr gut belegten Methode sind 20 derartige Anwendungen erforderlich, die ambulant, schmerz- und nebenwirkungsfrei in einem der wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Eine Depressionstherapie mit repetitiver transkranieller Magnetstimulation ist in den meisten Fällen sehr hilfreich.

Weltweit gibt es viele hundert Facheinrichtungen, die meisten davon in den USA, wo bereits viele tausend Patienten in den mehr als 300 Zentren behandelt wurden. Die Kosten einer Therapie belaufen sich auf etwa 1000 €. In der Lüneburger Praxis Dr. Tamme können die 20 Sitzungen im Rahmen eines 10-tägigen Erholungsurlaubes erfolgen.

Viel Spaß und Erfolg im Training!

Eine Antwort auf „Sport und Depressionen: Von Sportsucht bis hin zu Leistungsdruck im Kraftsport“

  1. Ein interessanter Artikel und ein Thema, das durchaus nicht zu vernachlässigen ist. Im ersten Moment versucht man diese Thematik selber zu reflektieren…und wenn ich genauer drüber nachdenke, kann ich vereinzelte „Symptome“ einer psychischen Beeinträchtigung bei vielen Kraftsportlern erkennen, mir eingeschlossen.

    Es mag zwar noch hamrlos sein, dennoch fühle ich mich bei einer zwangsweisen Trainingsabstinenz (z.B. im Urlaub, Geschäftsreisen oder in Prüfungsphasen) nicht gerade „gut“. Sicherlich haben ein oder zwei Wochen „Zwangspause“ keine gravierenden Effekte auf das Training, im Gegenteil: die zusätzliche Regenerationszeit ist oftmals notwendig, damit sich der Körper mal vollständig erholen kann. Ohne regelmäßiges Training leidet man aber schnell unter leichten Schlafstörungen, die oft durch Energieüberschuss hervorgerufen werden. Beispiel Alkoholkonsum: Wenn ich mich trotz disziplinierter Ernährung doch mal zu dem ein oder anderen Glas hinreißen lasse, ist das Gewissen am nächsten Sonntag so stark belastet – da kommt sogar, Gott sei´s geklagt, ein Besuch in der Kirche in Frage […]

    Dieses Phänomen kann ich aber auch bei Trainingskollegen beobachten. Sicherlich keine große gesundheitliche Gefahr, aber dennoch eine geringfügige Beeinträchtigung. Das Fitnesstraining hat eben doch großen Einfluss auf unseren Lifestyle…

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