Sportsüchtig? Bei Ausdauersport ist Sportsucht wohl eher unwahrscheinlich

Wer viel Zeit auf das Fitnesstraining verwendet, wird von seinen Freunden und der Familie schnell besorgt angeschaut: Ist das noch gesund? Dabei ist die Sportsucht eine eher unwahrscheinliche Krankheit in Deutschland. Gerade mal fünf Prozent der Ausdauersportler sind davon betroffen. Diese besitzen oft eine ganz bestimmte Persönlichkeit, die sie suchtgefährdet macht.

In Deutschland ist Sportsucht eine eher unbekannte Krankheit. Auch die Medizin weiß nicht viel über Menschen, die zu viel Sport treiben. Deshalb haben die Universität Erlangen und die Universität Halle-Wittenberg jetzt eine Studie durchgeführt, in der über tausend Ausdauersportler beobachtet wurden. Anhand dieser Studie kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass nur ganz bestimmte Menschen der Sportsucht erliegen, und dass bei den meisten Sportlern kein Grund zur Sorge besteht.

Wann ist man sportsüchtig?

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Sportsüchtig ist man, wenn man für den Sport sein restliches Leben gefährdet. Die Forscher nannten die Sportler süchtig, bei denen man einen „sozialen Verfall“ beobachten konnte. Darunter fallen Sportler, dessen Ehen in die Brüche gehen oder die ihre Freunde verlieren, weil sie so viel Sport machen. Außerdem sind laut den Forschern die Menschen süchtig, die Entzugserscheinungen (wie schlechte Laune, Nervosität oder Unruhe) bekommen, wenn sie länger keinen Sport treiben können. Auch Sportler, die weiter trainieren, obwohl sie eindeutige körperliche Schmerzen haben, werden als sportsüchtig eingestuft.

Laut den Forschern sind aber nur 4,5 Prozent der Ausdauersportler, die sie untersucht haben, sportsüchtig. Dabei sind Männer und Frauen gleichermaßen gefährdet. Jüngere Menschen leiden eher unter Sportsucht als Ältere. Sportler, die Triathlon betreiben, sind häufiger sportsüchtig als solche, die bloß schwimmen, laufen oder Rad fahren.

Sportsüchtige sind oft übertrieben ehrgeizig

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Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass Menschen, die sportsüchtig sind, oft eine ganz bestimmte Persönlichkeit haben. So sind sehr perfektionistische Menschen besonders gefährdet. Auch sehr ängstliche Menschen, sehr ehrgeizige Menschen und Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl können eine Sportsucht entwickeln.

Meistens ist nicht die Lust am Sport der Auslöser für eine Sportsucht. Sondern Sportler, die essgestört sind, sind gleichzeitig auch sportsüchtig, nutzen also den Sport, um ihre Figur und ihr Gewicht unter Kontrolle zu halten. Die Studie, die in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin Nr. 2, 2013 veröffentlicht wurde, unterscheidet außerdem zwischen Sportsüchtigen und Sportlern, die gefährdet sind, sportsüchtig zu werden. Diese haben auch die oben genannten Symptome, aber wesentlich geringer. Bei ihnen besteht also kein direkter Behandlungsbedarf.

Wer regelmäßig Sport treibt und diesen sehr ernst nimmt, ist also nicht gleich sportsüchtig. Gefahr besteht erst, wenn das restliche Leben unter dem Sport leidet. Wer Sorge hat, unter Sportsucht zu leiden, sollte seine Freunde, Familie und Bekannten fragen, ob sie die Sorge teilen. Außerdem können User von Internetforen zum Thema Fitness bei solchen Fragen weiterhelfen. Besonders Sportler, die ihre Frage erst einmal im Stillen für sich klären wollen, können hier ihre Trainingspläne und ihr Sportlerleben mit anderen vergleichen, um zu sehen, ob ihr Ausmaß an Sport noch normal ist.

Viel Spaß und Erfolg im Training!

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